Weltbienentag am 20. Mai – wie sich mitten in München wildbienen ansiedeln

+++ Pressemitteilung // 12. Mai 2026 +++

Zum Weltbienentag macht der BUND Naturschutz (BN) auf die besondere Situation der Wildbienen aufmerksam und zeigt an einem praktischen Beispiel, wie wir sie unterstützen können.

Neben der allseits bekannten Honigbiene gibt es rund 600 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland. Davon stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands. Konkrete Maßnahmen zum Schutz von Wildbienen und dem Erhalt ihrer Lebensräume sind notwendiger denn je. „Viele dieser meist recht kleinen Bienen sind sehr spezialisiert, entweder hinsichtlich ihres Nistplatzes, des Nistmaterials oder ihrer Futterpflanzen. Außerdem fliegen sie nur kurze Strecken, oft weniger als 250 Meter weit. Deshalb ist ein dichtes Netz aus geeigneten Kleinbiotopen für Wildbienen überlebenswichtig.“ so Hans Greßirer, stellvertretender Vorsitzender der BN Kreisgruppe München.

Auch innerhalb einer hochverdichteten Stadt wie München ist vieles möglich. Das zeigt die sogenannte Wildbienen-Abbruchkante aus Lehm im Prinz-Eugen-Park, die vom BUND Naturschutz in München betreut wird und in der sogar Rote Listen-Arten nisten.

„Die große Tier- und Pflanzenvielfalt in München zu erhalten, ist uns ein ganz besonderes Anliegen. Bereits 2018 hat die Landeshauptstadt München deshalb ihre Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Im darauffolgenden Jahr unterzeichneten 1,7 Millionen Menschen in ganz Bayern beim Volksbegehren ‚Artenvielfalt und Naturschönheit – Rettet die Bienen‘ – viele davon aus München. Wir als Stadtverwaltung nehmen diesen Auftrag, die Vielfalt der Natur zu bewahren, sehr ernst – seit 2010 wurden im Münchner Stadtgebiet noch stolze 272 Wildbienenarten gefunden! Was dabei gemeinsam mit Naturschutzverbänden und engagierten Münchner*innen möglich ist, zeigt die Wildbienen-Abbruchkante im Prinz-Eugen-Park, die der BUND Naturschutz mit der Förderung des Referats für Klima- und Umweltschutz in Zusammenarbeit mit dem Baureferat Gartenbau umgesetzt hat.“ sagt Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz.

Die Lehmabbruchkante im Prinz-Eugen-Park befindet sich direkt neben dem Gehweg inmitten des neuen Wohngebietes und ist im Zuge des Straßenbaus zufällig entstanden. Vor Beginn der Arbeiten waren auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne keine nennenswerten Wildbienenvorkommen nachgewiesen worden. Inzwischen lockt der Bereich an der Jörg-Hube-Straße viele unterschiedliche Arten an und bietet ihnen einen Lebensraum.

Da die Straße tiefer liegt als der angrenzende Baumbestand, musste das Gelände vor Baubeginn abgestochen werden. Dabei entstand eine besonnte senkrechte Erdkante, wie sie früher in wilden Flusslandschaften oft vorkam. Heute sind solche Strukturen in unserer aufgeräumten Landschaft aber Mangelware. Weil bodennistende Wildbienen Pionierarten sind, offene Erde mögen und geeignete Flächen sehr schnell finden, wurde die neu entstandene Lehmkante wenige Zeit später besiedelt.

Zum Glück ist Naturgutachter Robert Mayer in seiner Funktion als ökologische Baubegleitung auf das Wildbienenvorkommen aufmerksam geworden und hat mit Wildbienenspezialistin Michaela Hofmann nochmal kartiert. Durch seine Empfehlung an das städtische Baureferat, das Engagement vieler Beteiligter und die Unterstützung durch den BUND Naturschutz konnte die Lehmabbruchkante erhalten bleiben.

Heute ist sie zu einem wichtigen Lebensraum für zahlreiche geschützte Wildbienenarten geworden. Dazu zählen u.a. Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), Riesen-Blutbiene (Sphecodes albilabris), Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), Weiden-Sandbiene (Andrena vaga), unterschiedliche Wespenbienen (Nomada spec.) und die Rote Liste Arten Gebänderte Pelzbiene (Anthophora aestivalis), Pracht-Trauerbiene (Melecta luctuosa), Große Harzbiene (Trachusa byssina / Anthidium byssinum).

„Der Schutz unserer heimischen Tierwelt muss oft nicht einmal teuer sein. Das Beispiel der Lehm-Abbruchkante im Prinz-Eugen-Park zeigt, was möglich wird, wenn Fachreferate, Gutachterbüros, engagierte Anwohner*innen und der BUND Naturschutz an einem Strang ziehen. So lassen sich die Ziele der städtischen Biodiversitätsstrategie in die Praxis umsetzen.“ erläutert Hans Greßirer.

Tipps für mehr Wildbienen in der Stadt
Simone Paffrath von der BN Kreisgruppe München betreut die Patenschaftsflächen im Prinz-Eugen-Park gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus dem Quartier unter fachlicher Begleitung von Dr. Julie Weissmann, Wildbienenexpertin des BN. Beide sind im Biodiversitätsteam des BN und geben wertvolle Tipps, wie man den Wildbienen in der Stadt helfen kann. Denn Wildbienen sind wertvolle Bestäuber unserer heimischen Pflanzenwelt und stehen hier der Honigbiene in nichts nach. Gleichzeitig sind sie völlig ungefährlich. Stiche durch Wildbienen sind extrem selten, weshalb sie sehr gut beobachtet werden können. Wildbienen benötigen auf einer Fläche drei Rahmenbedingungen: Nistplatz, Nistmaterialien und Nahrung in Form von Pollen und Nektar. Das alles muss in einem Radius von wenigen hundert Metern zur Verfügung stehen.

  1. Nisthabitate fördern oder erhalten: Rund 75 Prozent der nestbauenden Arten nisten in offenen Bodenstellen, daher liegt hier ein großes Potential für den Wildbienenschutz. Bestehende Strukturen sollten möglichst erhalten werden. Häufig reicht es, die Augen offen zu halten, dann entdeckt man in lückigem Rasen, sandigen Bereichen, Lehmabbruchkanten oder sogar zwischen Pflasterfugen versteckte Nisthabitate.
  • Nistmaterial zur Verfügung stellen: Wilde Ecken und Blühinseln im Garten helfen vielen Tieren beim Überleben, auch den Wildbienen. Diese verwenden z.B. Pflanzenhaare oder feuchten Lehm als Nistmaterial. Das Verhalten der Bienen an Blüten oder beim Nestbau zu beobachten ist faszinierend und auch vor der eigenen Haustüre möglich. Ein besonderes Highlight ist die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene, die in leeren Schneckenhäusern nistet, welche sie mit dürren Grashalmen abdeckt.
  • Blütenangebot fördern: Wichtig ist eine Vielfalt an verschiedenen Pflanzenarten, sodass über die gesamte Vegetationsperiode etwas blüht und Nahrung für Wildbienen vorhanden ist. Etwa ein Drittel unserer Wildbienen sind außerdem Blütenspezialisten. Sie benötigen ganz spezielle Pflanzen für die Versorgung ihrer Nachkommen, wie beispielsweise die Glockenblumen-Felsenbiene. Diese ist auf das Vorkommen von Glockenblumen angewiesen. Bei der Anlage von Blühflächen achten wir darauf, dass wir gebietsheimisches Saatgut und Pflanzmaterial verwenden.

copyright: Simone Paffrath

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